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Mein Ehrenamt

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Hier berichtet Maike Bossler von ihren Erlebnissen im Ehrenamt

Inklusion (er)leben

Inklusion und Barrierefreiheit: Zwei Begriffe, über die viel gesprochen wird. Doch was bedeuten diese beiden Wörter in der Realität? Wann sind sie wirklich gelebt? Und wie viel hängt dabei von jedem einzelnen Menschen ab? In letzter Zeit drängte sich mir zunehmend die Frage auf, wie wir Menschen eigentlich zusammen leben wollen. Endlich entschied ich mich, einen schon länger in mir gereiften Plan zu verwirklichen und mich ehrenamtlich zu engagieren. Hier möchte ich von meinen Erfahrungen erzählen.

Das erste Treffen

Einfach nicht mehr nachdenken

In mein erstes Treffen mit Silvia ging ich sehr verunsichert. Wie reagiere ich richtig? Was, wenn ich etwas falsch mache? Als sich die Unsicherheit immer weiter in mir ausbreitete, begriff ich, dass ich erst einmal meine Barrieren im Kopf abbauen musste. So beschloss ich kurzerhand, einfach nicht mehr nachzudenken. Silvia zeigte mir daraufhin ihre Wohnung, die sie so liebevoll eingerichtet hat und auf die sie sehr stolz ist. Wir schauten zusammen Fotos aus ihrer Kindheit und Jugend an und beschlossen, beim nächsten Mal spazieren zu gehen, um gemeinsam zu fotografieren, was wir beide überaus gerne tun. Eine von vielen Gemeinsamkeiten, neben der Vorliebe für Disneyfilme und Spaghetti-Eis. Als ich nach Hause fuhr, merkte ich, wie die Unsicherheit gewichen war und sich in Vorfreude auf das nächste Wiedersehen gewandelt hatte.

Künstlerische Freiheit

Beim Fotografieren voneinander lernen

Nachdem Silvia und ich jede Menge Gemeinsamkeiten entdeckt hatten, machten wir uns beim nächsten Treffen sofort daran, unsere Leidenschaft für das Fotografieren in vollen Zügen auszuleben. Wir schnappten uns unsere Kameras und spazierten zum Rhein: Mohnfelder, Schwäne und Blumen wurden zu begehrten Motiven und ich stellte fest, dass ich in Sachen "gerader Horizont" beim Knipsen eines Fotos noch jede Menge von Silvia lernen konnte. Insgesamt kamen an diesem Sonnentag über 80 Bilder zusammen. Doch sie einfach nur im digitalen Zustand zu belassen, wäre ja langweilig! Denn Silvia liebt die analoge Fotografie mindestens genauso sehr wie ich, was ihre zahlreichen Fotoalben beweisen. "Ich liebe Bilder einkleben", verriet sie mir mit einem verschmitzten Lächeln. So beschloss ich, dass ein neues Album her musste.

Ein rosa Fotoalbum

Gemeinsam Erinnerungen sammeln

"Ist das ein Geschenk?", fragte mich Silvia, als ich ihr bei unserem wöchentlichen Wiedersehen ein Fotoalbum mit noch leeren Seiten überreichte. Die Freude darüber war ihr sichtlich anzumerken. Die Fotos, die Silvia eine Woche zuvor mit meiner Spiegelreflex-Kamera geschossen hatte, lagen uns nun entwickelt vor. Somit war das rosafarbene Fotoalbum bereit, beklebt zu werden. "Erinnerungen sammeln" – das war es, was wir beide an diesem Nachmittag wollten! 

Achtung, Eisalarm!

Heißhunger auf Kaltes

Als die Temperaturen im Sommer die 40-Grad-Marke knackten, spazierten wir in die Eisdiele und bestellten zwei riesige Spaghetti-Eisbecher. Als ich Silvia eine Woche später wiedertraf, war ihre erste Frage: "Maike, gehen wir Eis essen?" Leider sah es bedrohlich nach Regen aus. Doch als Silvia sie mich zum dritten Mal nach Eis fragte, gab ich nach. Schon am Ortsausgang drohte der Wolkenbruch. Die nahe Tankstelle erwies sich als Rettung: Wir kauften uns ein riesiges "Monster-Slush-Eis". Als wir heimkamen, fing es an zu schütten. Doch das störte uns nicht – Silvia und ich hatten unser Eis. 

Delfine sind grau

Wasserfarben bei Regen

Da es regnete und ich längst wusste, dass Silvia gerne malt, hatte ich an diesem Dienstag meine Wasserfarben mit dabei. Als die bunten Schmetterlinge und Marienkäfer von uns zu Papier gebracht worden waren, begann Silvia gekonnt, eine Gruppe von Delfinen zu malen. "Ich brauche Grau, Maike" – eine Farbe, die mein Malkasten leider nicht hergab. Zum Glück hatte ich die riesige Tube Deckweiß meiner Zwillingsschwester noch eingepackt, so dass Silvias Vorhaben nun nichts mehr im Weg stand und auch die "Delfin-Farbe" zügig gemischt war. Ganz ohne Hintergedanken hatte ich die Wasserfarben an diesem Tag aber nicht mit zu Silvia genommen: Als ich ihr verriet, dass die Lebenshilfe Bonn beim Herbstfest gerne Bilder von ihr ausstellen würde, war sie überglücklich und flüsterte mir zu: "Vielleicht werde ich ja noch berühmt."

Was bleibt

Erinnerungen sind nicht mit Geld zu bezahlen

Diesmal ging es Silvia nicht gut, als sie mich bereits auf dem Balkon vor ihrer Wohnungstür empfing. "Ich bin heute sehr traurig", sagte sie und nahm mich bei der Hand, um mit mir in ihr Schlafzimmer zu gehen. Nachdem sie sich auf ihr Bett gelegt hatte, um sich auszuruhen, meinte sie auf einmal: "Andenken kann man nicht kaufen, Maike." Dem war in der Tat nichts mehr hinzuzufügen und wir zwei hätten an diesem Tag auch einfach nur Tee trinken können. Doch um Silvia ein wenig aufzumuntern und von ihrer Traurigkeit abzulenken, holte ich einen Schwung neuer Fotos hervor, die ich begann, in ihr rosafarbenes Fotoalbum einzukleben. Schwupps, saß Silvia schon neben mir auf dem Boden und grinste mich an. Ohne etwas zu sagen, drückte ich ihr den Kleber in die Hand und im Handumdrehen waren die Erinnerungen an unser letztes Treffen im Album verewigt. Auch wenn mein halbes Jahr Ehrenamt vorbei ist und ich Silvia vielleicht dann nicht mehr treffen kann: Meine Erlebnisse mit ihr und die Erinnerungen an sie sind in der Tat mit Geld nicht zu bezahlen!

Kontakt

Anna Topo

Marketing

Kessenicher Straße 216
53129 Bonn

Tel.: 0228 55584-3237
Mail: topo.anna@lebenshilfe-bonn.de

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