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07 06 2019

Eine bewegende Lesung mit Sandra Roth

Inklusion erlesen

"Schwermehrfach charmant" - so beschreibt Sandra Roth ihre Tochter. Lotta kann nicht laufen, sehen oder sprechen. Sie kann hören, verstehen – und auch ohne greifen zu können, hat sie ihre Familie fest im Griff. Was ist die richtige Schule für ein Kind wie Lotta? Um diese und viele weitere Fragen zur Inklusion dreht sich Sandra Roths neues Buch "Lotta Schultüte". Die Autorin war am Donnerstag auf Einladung der Lebenshilfe Bonn im Kirchenpavillon zu Gast, um vor über 40 Gästen zu lesen und aus ihrem Leben mit Lotta zu erzählen.

Der Abend stand unter dem Motto "Inklusion erlesen" und bot zunächst ein besonderes "Vorprogramm". Drei Autorinnen und Autoren der Lebenshilfe waren gekommen, um ihre eigenen Texte zu präsentieren. Zunächst stellte Sarah Brandes ihren Text "Die Schatzinsel" vor, eine kreative Abenteuergeschichte, die sie für den Schreibtreff der Lebenshilfe verfasst hatte. Im Anschluss las Alexander Trunk seinen Bericht "Mein Leben mit der Lebenshilfe" vor, der bald auch im Jubiläumgsmagazin zu finden sein wird. Christoph Nawrat begeisterte die Zuhörinnen und Zuhörer mit seinem Inklusions-Rap und einer spontanen Live-Gesangsdarbietung. Von diesen drei Darbietungen waren die Gäste sehr berührt und zollten allen drei Auftritten mit viel Applaus Respekt.

"Die Latte habt ihr für mich jetzt aber sehr hoch gehängt", scherzte Sandra Roth, als sie schließlich das Mikro übernahm. Doch schon nach den ersten Sätzen hatte die Autorin die Zuhörinnen und Zuhörer in den Bann gezogen. Zutiefst berührend und wunderbar humorvoll berichtete sie vom Alltag mit Lotta, von Stolpersteinen und überraschenden erfreulichen Begegnungen - aber auch die kritischen Töne kamen nicht zu kurz, denn die Suche nach einer geeigneten inklusiven Schule für ihre besondere Tochter gestaltete sich mehr als schwierig. "Nicht inklusionsfähig nennen manche Leute Lotta, dabei bedeutet Inklusion doch eigentlich das Gegenteil, nämlich dass die Schulen inklusionsfähig sein müssen", betonte sie.

Am Ende entschied sich die Familie, dass Lotta eine Förderschule besuchen soll. "Wir haben die Förderschule gewählt, weil sie das Beste für unsere Tochter ist", erklärte Sandra Roth, "aber sie ist nicht das Beste für die Gesellschaft." Denn Inklusion, ist die Mutter und Autorin überzeugt, kann nur gelingen, wenn Menschen mit Behinderung gesehen werden, wenn niemand mehr wegschaut - und das gelingt nur, wenn Menschen mit Behinderung mittendrin sind. So bot der Abend viele Denkanstöße und berührende Momente, die sicher noch länger nachwirken werden.